Tea-Time Ensemble
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Alexander
Meyer von Bremen

- seine Kompositionen

Nachruf für Alexander Meyer von Bremen

* 05.12.1930   07.02.2002


Alexander Meyer von Bremen (oder "MvB", wie man ihn nennt) wird am 05. Dezember (Todestag von Wolfgang Amadeus Mozart) 1930 in Leipzig geboren. Er entstammt einer großen Künstlerfamilie: (sein Urgroßvater, Johann Georg Meyer von Bremen, war Genre-Maler, geboren in Bremen, absolvierte sein Studium in Düsseldorf und hatte später ein eigenes Atelier in Berlin, wo er 1886 starb). MvB ist Sohn der Pianisten Vera Gassert und Helmut Meyer von Bremen.

Seine Eltern hatten in Leipzig am damaligen Landeskonservatorium bei Professor Robert Teichmüller und Professor Max Pauer mit anschließendem Staatsexamen im Hauptfach Klavier studiert. Sein Vater studierte zusätzlich Komposition bei Professor Hermann Grabner und Stefan Krehl.

Die musikalische Atmosphäre dieses Elternhauses ging an MvB nicht spurlos vorüber. So erzählt ein Freund der Familie, der Schriftsteller Rudolf Müller-Chappuis: "Wenn der Vierjährige sagte: "Jetzt spiele ich Bach", so setzte er sich ans Klavier, brachte ein Thema, ließ es dann, während die Oberstimme selbstständig weiterlief, einige Stufen tiefer erklingen, es folgten Sequenzen – doch plötzlich, in kindlichem Übermut, ging es in kecken Läufen und Sprüngen zum höchsten Diskant, der Kleine sprang vom Klavier auf und fort."

MvB erhält zu dieser Zeit noch keinen Klavierunterricht. Diesen bekommt er, auf Anraten Professor Teichmüllers, erst mit acht Jahren von seinem Vater, der die Unterrichtshefte selbst schrieb.

Nach dem frühen Tode des Vaters im Jahr 1941, setzt die Mutter den Unterricht fort. In dieser Zeit erhält MvB auch seine ersten Preise zum Tage der deutschen Hausmusik der damaligen Reichsmusikkammer. 1942 ist dieser Preis mit einer Schallplattenaufnahme bei Polydor verbunden. Er spielt hier das C-Dur-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier Band 1 und Stücke aus den Übungsheften seines Vaters.

Am humanistischen Gymnasium der Thomaskirche, in dessen Chor er auch kurzzeitig gesungen hat, bekommt er bis 1946 Unterricht im Orgel- und Cembalospiel bei Professor Günter Ramin.

Von 1946 bis 1949 ist MvB an der Musikhochschule Leipzig mit dem Hauptfach Klavier und Tonsatz und den – wie er selbst sagt "bemerkenswert vielfältigen" – Nebenfächern Kontrapunkt, Gehörbildung, Generalbass, Partiturspiel, Instrumentenkunde, Instrumentation, Vom-Blatt-Spiel, Orchesterspiel, Musikgeschichte, neue Musikgeschichte, Musikästhetik und Pädagogik eingeschrieben. Schon während dieser Zeit entsteht eine große Anzahl an Kompositionen – hauptsächlich für Tasteninstrumente – die auch in der dortigen Musikhochschule uraufgeführt werden.

Auch als Pianist und Kammermusiker macht sich MvB in dieser Zeit einen Namen. Er unternimmt Tourneen in Sachsen und Thüringen und spielt live im MDR (Mitteldeutscher Rundfunk) am Sender Leipzig. 1950 erhält er ein Diplom beim Bachpreis in Leipzig. Ehrenjuror hierbei ist u.a. Dimitri Schostakowitsch. 1949 und 1959 gibt er über "The British Center" mehrere Klavierabende in der damaligen BRD, unter anderem in Essen, Bonn, Gütersloh, Recklinghausen, Bochum, Dortmund und Osnabrück.

1951 erfolgt die Übersiedlung in die BRD durch die Vermittlung eines Stipendiums der Stadt Recklinghausen und der deutschen Studienstiftung mit Unterstützung des damaligen Bergwerksdirektors Bernhard Florin, ohne dessen Hilfe die Übersiedlung nicht zustande gekommen wäre.

MvB vertieft seine Studien an der Musikhochschule Köln. Er ist Meisterschüler von Herrn Prof. Dr. Frank Martin, dem schweizerischen Komponisten. In ihm findet er einen Meister zur weiteren Pflege seiner schöpferischen Fähigkeiten. Bei Albert Hofmann erhält MvB Unterricht im Klavier- und Cembalospiel. 1954 macht er sein Staatsexamen in Köln.

Es schließen sich Konzerte in Holland, Dänemark und Deutschland mit Frank Martin an zwei Klavieren an. Auch hier erntet MvB zusammen mit Frank Martin viel Beifall. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man den Zeugnissen eines Beobachters Beachtung schenkt. Lassen wir daher noch einmal Rudolf Müller-Chappuis zu Wort kommen:

"So kann er heute als ein Meister nicht allein eines bestimmten Gebietes innerhalb der Musik gelten, sondern als ein Meister der Musik ganz allgemein..." und "ob er an einer Komposition arbeitet, ob er am Klavier wirkt, Cembalo spielt, dirigiert oder an der Orgel sitzt – alles tut er mit Hingabe und auf eine überlegene Weise."

Als zuverlässiger Begleiter wird MvB immer beliebter und so wird die Liste der großen Künstler, mit denen er gemeinsam konzertiert, immer länger. Dazu gehören Musiker vom WDR-Orchester Köln sowie Düsseldorfer Sinfoniker. Daneben der Geiger Tibor Varga, mit dem er in den Jahren 1957-1959 Tourneen durch ganz Europa unternimmt. Des weiteren Nelly Söregi, Hans-Christian Siegert, Alfred Lessing, Jürgen Wolf, Erich Penzel, Doris Konrad, Frank Martin, Bernhard Kontarsky, um nur einige zu nennen.

Auch sein kompositorisches Schaffen gewinnt an Bedeutung, wofür er ebenfalls Auszeichnungen erhält: den Robert-Schumann-Preis 1954, den Förderpreis des Bundesverbandes der deutschen Industrie 1958, 1960 den BASF-Kompositionspreis, 1989 den Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der Stadt Mannheim.

1957 wird MvB GEMA-Mitglied. Im gleichen Jahr wird bei der Universal Edition Wien sein Klavierkonzert Nr. 1 als erste Komposition verlegt.

Im Jahr 1957 wird MvB darüber hinaus Mitglied des Westdeutschen Trios, welches regelmäßig und vorwiegend auf Schloß Lembeck (Stadt Marl), aber auch im gesamten Bundesgebiet über 30 Jahre lang konzertiert.

Weiterhin folgen regelmäßige Verpflichtungen als Kammermusiker und Konzertbegleiter beim WDR, SDR, Radio Bruxelles, BBC London und bei einigen schweizer Sendern, teilweise auch mit Aufführungen eigener Werke. In den späten 50er Jahren belegt er Kompositionskurse bei Wolfgang Fortner, Ernst Krenek und Hans-Werner Henze.

Seine pädagogische Laufbahn beginnt er 1959 – ab 1961 hauptamtlich – in Duisburg am Konservatorium der Stadt, welches später in die Niederrheinische Musikschule der Stadt Duisburg und die Staatliche Hochschule für Musik Ruhr, Institut Duisburg, aufgegliedert wird. Er hat dort Lehraufträge für Tasteninstrumente, Tonsatz, Kammermusik und Korrepitition. Beschäftigt ist er bei der Niederrheinischen Musikschule bis 1995; bei der Folkwang-Hochschule Essen, Abteilung Duisburg bis 1997. Doch von "zur Ruhe setzen" kann keine Rede sein. Musik ist nach wie vor sein Leben und so konzertiert er an Rhein und Ruhr und komponiert bis zuletzt.

MvB ist neben Düsseldorfer Sinfonikern Mitglied des Tea-Time-Ensembles Düsseldorf, für das er nicht nur Pianist, sondern zugleich Arrangeur mit einer farbenreichen und polyphonen Satztechnik ist.

Als Privatdozent ist er weiterhin ein gefragter Mann. 1997 bekommt er gesundheitliche Probleme, man muss ihm eine neue Herzklappe einsetzen. Einen Kompositionsauftrag führt er dennoch aus: im Krankenbett komponiert er ein Werk aus dem Gehör – ohne Kontrolle am Instrument, ohne Vorstellung der Klangkombinationen – welches von ihm den Namen "Herzklappen-Sextett" erhält, und vollendet dieses noch vor der Operation.

Auch mit seinem Sohn Olaf Meyer von Bremen geht er auf Konzertreisen. So führt es die beiden 1992 auf die Insel Usedom, 1994 ins Erzgebirge und MvB spielt mit ihm - bis zum letzten gemeinsamen Konzert im Dezember 1998 in der Abteikirche Hamborn – rund um den Niederrhein.

Die gesundheitlichen Problem prägen unglücklicherweise seine letzten Lebensjahre.

Zu seinem 70. Geburtstag wird ihm zu Ehren eine Matinée im Foyer des Stadttheaters in Duisburg gegeben, bei dem er – trotz schwerer Krankheit - sowohl als Komponist, Pianist und Dirigent nochmals alle Schattierungen seines Könnens unter Beweis stellt.

Alexander Meyer von Bremen verstirbt am 07. Februar 2002 im Marienhospital in Duisburg im Alter von 71 Jahren.

Er gehört zu den Persönlichkeiten, die das musikalische Leben der Stadt Duisburg geprägt haben.

Die Trauerfeier findet am 14.02.2002 um 10:00 Uhr in der Karmel Kirche - 47051 Duisburg Karmel Platz (Innenhafen) statt.

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